LibreOffice soll künftig nicht nur auf dem Desktop stärker weiterentwickelt werden. Die Document Foundation plant auch Fortschritte für Webbrowser, Smartphones und gemeinsames Arbeiten an Dokumenten. Die freie Office-Suite bleibt jedoch im Kern eine Desktop-Anwendung. Gleichzeitig bereitet die Stiftung neue technische Wege vor.
LibreOffice bleibt Desktop
Die Document Foundation hält an LibreOffice als Desktop-Anwendung fest. Die regulären Desktop-Releases sollen weiterhin zweimal jährlich erscheinen. Auch das Engineering Steering Committee bleibt aktiv. Community-Projekte wie Google Summer of Code und Outreachy laufen unverändert weiter. Das steht im Strategiepapier der Stiftung. Bislang war LibreOffice vor allem klassische Desktop-Software. Die mobile Nutzung spielte bei der Stiftung selbst nur eine kleinere Rolle. Offiziell gibt es derzeit vor allem einen Android-Viewer mit eingeschränkten Bearbeitungsfunktionen. Viele Anwender nutzen auf Smartphones stattdessen Collabora Office. Diese Office-Suite wird von Collabora gepflegt. Sie basiert auf LibreOffice und bietet Versionen für Android, iOS und Online-Nutzung.
Qt 6 und WebAssembly
Im Mittelpunkt der neuen Strategie steht ein bereits funktionierender WebAssembly-Prototyp. Die technische Grundlage soll unter anderem eine Browser-Version mit Qt 6 und WASM werden. LibreOffice soll damit direkt im Browser laufen und Hosting-Server weniger stark belasten. Bei WebAssembly werden native Anwendungen in ein Browser-Binärformat kompiliert. Dieses läuft lokal im Browser. Ähnliche Ansätze werden bereits bei komplexen Webanwendungen genutzt. Dazu gehören Browser-IDEs, CAD-Tools und Bildbearbeitungssoftware.
Google Docs und Microsoft 365
Die geplante Browser-Version unterscheidet sich von klassischen Cloud-Office-Suiten wie Google Docs und Microsoft 365. Dort wird ein größerer Teil der Verarbeitung auf dem Server erledigt. Die TDF beschreibt dagegen eine Architektur, bei der möglichst viel Rechenarbeit lokal im Browser stattfindet. Das kann für Selfhosting, Behörden und On-Premises-Umgebungen wichtig sein. Dort zählen Datenschutz, geringe Serverlast und digitale Souveränität. Parallel will die Stiftung die App-Entwicklung beschleunigen. Für 2026 nennt das Strategiepapier Arbeiten am GUI-Code sowie Test-Builds für Android- und iOS-Emulatoren. iOS wird dabei erstmals ausdrücklich als Entwicklungsziel genannt.
Zu den genannten Arbeitsfeldern gehören
- ein eigenes Team für Mobile-, Cloud- und Peer-to-Peer-Entwicklung
- eine Browser-Version mit Qt 6 und WebAssembly
- Test-Builds für Android- und iOS-Emulatoren
- erste Tests für kollaboratives Bearbeiten
- stärkeres Sicherheits- und CVE-Management
Jonathan Clark und Dan Williams
Die Leitung des neuen Bereichs übernimmt Jonathan Clark. Dan Williams unterstützt unter anderem bei iOS-spezifischen Themen. Die TDF kündigt außerdem erste praktische Tests für kollaboratives Bearbeiten von Dokumenten an. Zunächst soll eine klassische Client-Server-Architektur mit direkten TCP/IP-Verbindungen verwendet werden. Langfristig plant die Stiftung auch Peer-to-Peer-Konzepte. Dabei würden Clients ihre Änderungen direkt untereinander abgleichen. Änderungen müssten dann nicht über zentrale Cloud-Server laufen. Diese Technik ist anspruchsvoller. Sie könnte Vorteile bei Datenschutz, Offlinefähigkeit und Infrastrukturkosten bringen.
OSS-Fuzz und Coverity
Organisatorisch plant die Stiftung weitere Veränderungen. Das Team soll in mehrere Bereiche aufgeteilt werden. Zusätzliche Entwicklerstellen sind vorgesehen. Externe Aufträge sollen ebenfalls vergeben werden. Das Sicherheits- und CVE-Management wird von der TDF stärker formalisiert. Dabei nennt die Stiftung ausdrücklich OSS-Fuzz und Coverity. Hintergrund ist die steigende Komplexität der Software. Browser-, Netzwerk- und Mobile-Funktionen vergrößern die Angriffsfläche. Konkrete Veröffentlichungstermine für neue Web- oder Mobile-Versionen nennt die Stiftung noch nicht. Die Ankündigung beschreibt vorerst einen strategischen Umbau mit Architekturarbeit, Prototypen und organisatorischer Vorbereitung.
FAQ
Was plant die Document Foundation für LibreOffice?
Die Document Foundation richtet LibreOffice strategisch neu aus. Die Office-Suite soll stärker für Webbrowser, Smartphones und kollaboratives Arbeiten weiterentwickelt werden.
Bleibt LibreOffice eine Desktop-Anwendung?
Ja. LibreOffice bleibt im Kern eine Desktop-Anwendung. Die regulären Desktop-Releases sollen weiterhin zweimal jährlich erscheinen.
Welche Rolle spielt WebAssembly bei LibreOffice?
WebAssembly soll eine Browser-Version von LibreOffice ermöglichen. Dabei läuft die Anwendung lokal im Browser und soll Hosting-Server weniger stark belasten.
Welche mobilen Plattformen nennt die TDF?
Die TDF nennt Android- und iOS-Builds als Entwicklungsziel. Für 2026 sind Arbeiten am GUI-Code sowie Test-Builds für Android- und iOS-Emulatoren vorgesehen.
Wer leitet den neuen Entwicklungsbereich?
Die Leitung des neuen Bereichs übernimmt Jonathan Clark. Dan Williams unterstützt unter anderem bei iOS-spezifischen Themen.
Welche Sicherheitsdienste nennt die TDF?
Die TDF nennt OSS-Fuzz und Coverity. Das Sicherheits- und CVE-Management soll stärker formalisiert werden.
Quelle: Heise Online