Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der Bundesverwaltung erreicht 2025 eine neue Stufe. Die Bundesregierung spricht nicht mehr von einzelnen Pilotversuchen. KI ist fester Bestandteil zahlreicher Verwaltungsprozesse und technischer Systeme des Bundes. Eine aktuelle Antwort auf eine parlamentarische Anfrage zeigt, wie tiefgreifend sich der Einsatz ausgeweitet hat und an welchen Stellen Transparenz endet. Die Entwicklung steht im Zusammenhang mit der breiten gesellschaftlichen Debatte über den Umgang mit KI im Alltag und deren Rolle in staatlichen Strukturen.
Inhaltsverzeichnis:
- Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung
- Bundesnachrichtendienst und Bundeswehr
- MaKI und Kipitz
- BAMF, DWD und FACTSBot
Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung
Die Antwort des federführenden Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung an den Deutschen Bundestag zeigt, dass eine vollständige Erfassung aller KI-Anwendungen nicht mehr möglich ist. Eine trennscharfe Abgrenzung einzelner Systeme gilt offiziell als nicht mehr leistbar. Der Grund liegt in der breiten Integration der Technologie in Firewalls, Textverarbeitungsprogramme und Standardsoftware.
Im Juli 2024 nannte die Bundesregierung noch über 200 KI-Anwendungen. Anfang 2025 verzichtet sie auf konkrete Zahlen. KI wird als technische Komponente verstanden. Sie ist Bestandteil bestehender IT-Infrastruktur. Diese Entwicklung markiert einen strategischen Wandel in der Bundesverwaltung und steht im Kontext von strengeren Regeln für KI-Systeme.
Die Anfrage der Linksfraktion zielte auf Risiken. Genannt wurden grundrechtssensible Bereiche, algorithmische Verzerrungen und Diskriminierung. Thematisiert wurden mögliche Benachteiligungen von Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund durch verzerrte Trainingsdaten.
Zusätzlich kritisierte die Fraktion den Energieverbrauch großer Modelle. Der Strombedarf beim Training komplexer KI-Systeme wird bislang nicht systematisch berücksichtigt. Gefordert werden verpflichtende Angaben zum CO₂-Fußabdruck bei der öffentlichen Beschaffung.
Bundesnachrichtendienst und Bundeswehr
Bei den Sicherheitsbehörden endet die Offenlegung. Für den Bundesnachrichtendienst, das Bundesamt für Verfassungsschutz und den Militärischen Abschirmdienst verweigert die Bundesregierung jede Auskunft. Selbst eingestufte Antworten werden ausgeschlossen.
Zur Begründung verweist die Regierung auf operative Risiken. Die Offenlegung von KI-Methoden wie Texterkennung in Verbindung mit konkreten Datenquellen könne Rückschlüsse auf Fähigkeiten erlauben. Besonders hervorgehoben wird die Gefahr des sogenannten Data Poisoning. Gegner könnten Trainingsdaten gezielt manipulieren. Diese Risiken ähneln bekannten Bedrohungen durch Cyberangriffe auf staatliche Systeme.
Auch beim Bundesministerium der Verteidigung bleibt es bei der Geheimhaltung. Wie bereits 2024 werden keine Details zum KI-Einsatz veröffentlicht. Begründet wird dies mit möglichen Rückschlüssen auf die militärische Einsatzfähigkeit. Die parlamentarische Kontrolle bleibt eingeschränkt.
MaKI und Kipitz
Parallel dazu baut der Bund zentrale Plattformen auf. Der Marktplatz der KI-Möglichkeiten, kurz MaKI, dient als internes Transparenzregister. Ziel ist es, parallele Eigenentwicklungen einzelner Behörden zu vermeiden. Seit November 2024 erhalten auch Bundesländer und Kommunen Zugriff.
MaKI ist keine öffentliche Datenbank. Es fungiert als Matching-Plattform. Behörden können dort bestehende Lösungen identifizieren und nachnutzen. Damit soll der föderale Flickenteppich technologisch zusammengeführt werden.
Das operative Zentrum bildet die KI-Plattform für die Bundesverwaltung, genannt Kipitz. Betrieben wird sie vom ITZBund. Kipitz stellt generative KI-Modelle über gesicherte Schnittstellen bereit. Es handelt sich um eine Closed-Source-Eigenentwicklung unter Nutzung von Open-Source-Modellen.
Für 2026 sind 1,7 Millionen Euro eingeplant. Die Hardwarekosten werden auf rund 40 Millionen Euro beziffert. Ziel ist es, sensible Regierungsdaten nicht auf Servern außereuropäischer Anbieter zu verarbeiten.
BAMF, DWD und FACTSBot
Neben Standardanwendungen existieren spezialisierte Projekte. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nutzt KI zur Analyse von Migrationsbewegungen. Modelle unterstützen Prognosen und strategische Lageeinschätzungen.
Im Verkehrsbereich kommen Systeme wie KIResQ und Silva zum Einsatz. Sie werten Wärmebilder aus oder lokalisieren Waldbrände mithilfe von Drohnen. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde nutzt KI zur Plastikdetektion in Fließgewässern und zur Ölerkennung auf See.
Der Deutsche Wetterdienst errichtet ein eigenes KI-Zentrum. Ziel sind präzisere Wettermodelle und Nowcasting zur kurzfristigen Warnung vor Extremereignissen. Auch Grundwasserniedrigstände und Versalzung werden prognostiziert.
Im Kampf gegen Desinformation nutzt der Bund mehrere Systeme. Dazu zählen FACTSBot, Nebula und SpeechTrust+. Diese Werkzeuge dienen der Erkennung von Deepfakes, manipulierten Audioinhalten und maschinell erzeugten Texten. KI ist damit nicht nur ein Effizienzwerkzeug, sondern ein sicherheitsrelevanter Bestandteil staatlicher Infrastruktur.
Quelle: HEISE ONLINE, MILEKCORP
FAQ
Was bedeutet der flächendeckende Einsatz von KI in Bundesbehörden?
Der flächendeckende Einsatz bedeutet, dass Künstliche Intelligenz nicht mehr nur in einzelnen Pilotprojekten genutzt wird, sondern als feste technische Komponente in zahlreichen Verwaltungsprozessen, IT-Systemen und Standardanwendungen des Bundes integriert ist.
Warum kann die Bundesregierung keine genaue Zahl der KI-Anwendungen nennen?
Eine genaue Zahl ist nicht mehr möglich, da KI mittlerweile in vielen bestehenden Softwarelösungen wie Firewalls, Textverarbeitung und Büroprogrammen eingebettet ist und keine trennscharfe Abgrenzung einzelner Anwendungen vorgenommen werden kann.
Welche Rolle spielen Sicherheitsbehörden beim KI-Einsatz?
Bei Sicherheitsbehörden wie dem Bundesnachrichtendienst oder dem Militärischen Abschirmdienst macht die Bundesregierung keine Angaben zum KI-Einsatz, da eine Offenlegung Rückschlüsse auf operative Fähigkeiten ermöglichen und Sicherheitsrisiken verursachen könnte.
Was sind MaKI und Kipitz?
MaKI ist ein interner Marktplatz der KI-Möglichkeiten, der Behörden hilft, bestehende Lösungen zu finden und mehrfaches Entwickeln zu vermeiden. Kipitz ist eine zentrale KI-Plattform für die Bundesverwaltung, die generative KI-Modelle über gesicherte Schnittstellen bereitstellt.
Für welche konkreten Aufgaben wird KI in der Bundesverwaltung eingesetzt?
KI wird unter anderem zur Analyse von Migrationsbewegungen, zur Suche nach vermissten Personen, zur Erkennung von Waldbränden, zur Wettervorhersage, zur Umweltüberwachung sowie zur Bekämpfung von Desinformation und Deepfakes eingesetzt.