Am Dienstag hat Microsoft den offiziellen Support für das Betriebssystem Windows 10 eingestellt. Millionen Nutzerinnen und Nutzer stehen nun vor der Frage, wie es mit ihren Geräten weitergeht. Zwar gibt es eine einjährige Verlängerung für Sicherheits-Updates, doch das Problem bleibt bestehen. Viele Rechner sind zu alt, um auf Windows 11 umzusteigen. Verbraucherschützer fordern daher längere Laufzeiten für Betriebssysteme und warnen vor wachsendem Elektroschrott.
Inhaltsverzeichnis:
- Verlängerung des Supports durch europäischen Druck
- Kritik der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg
- Linux-Systeme als Alternative
- Aufrüsten oder weiterverwenden statt wegwerfen
- Zukunft der Computerlandschaft
Verlängerung des Supports durch europäischen Druck
Der Druck europäischer Verbraucherschützer zeigte Wirkung. Microsoft gewährt eine Gnadenfrist bis Oktober 2026. In diesem Zeitraum sollen kostenlose Sicherheits-Updates weiterhin verfügbar sein. Voraussetzung ist jedoch, dass Nutzende ein Microsoft-Konto besitzen und sich regelmäßig anmelden.
Wer seine Daten lieber nicht weitergeben möchte, kann die Updates auch kostenpflichtig erwerben – für etwa 30 Dollar (26 Euro) pro Jahr. Diese Lösung sorgt zwar kurzfristig für Sicherheit, wird von Experten aber nur als Übergang betrachtet.
Laut dem IT-Sicherheitsbeauftragten der Universität Freiburg, Marc Herbstritt, sollten alle Windows-10-Anwender die angebotenen Updates unbedingt installieren.
- Nur so lassen sich Sicherheitslücken schließen.
- Betrugs- und Angriffsrisiken werden deutlich reduziert.
- Alte Systeme bleiben funktionsfähig, solange die Updates aktiv sind.
Kritik der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg
Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht in der Entscheidung von Microsoft keine dauerhafte Lösung. Er betont, dass ein Betriebssystem mindestens so lange laufen müsse, wie die Lebensdauer eines Computers beträgt.
Die Entwicklung neuer Technik sei zwar nachvollziehbar, doch für Standardanwendungen wie Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation sei die Rechenleistung älterer PCs völlig ausreichend. Buttler fordert daher, dass Betriebssysteme wesentlich länger unterstützt werden.
Zahlen verdeutlichen das Ausmaß:
- Rund 40 % aller Windows-Computer weltweit können nicht auf Windows 11 aktualisiert werden.
- Die Deutsche Umwelthilfe warnt vor Millionen Kilogramm zusätzlichem Elektroschrott.
- Viele funktionierende Geräte drohen unbrauchbar zu werden.
Linux-Systeme als Alternative
Es gibt praktikable Alternativen. Marc Herbstritt verweist auf Linux-Betriebssysteme, die sich problemlos auf älteren Geräten installieren lassen. Sie sind kostenlos, stabil und mittlerweile benutzerfreundlich.
Beispiele für populäre Varianten:
- Ubuntu
- Mint
- Fedora
Diese Systeme können sogar testweise von einem USB-Stick gestartet werden, ohne das alte Windows-System zu löschen. Die Installation ist heute deutlich einfacher als vor 20 Jahren.
Damit erhalten viele ältere Geräte eine neue Funktion. Auch für Schulen, Vereine oder Haushalte mit geringem Einkommen bietet sich Linux als kostengünstige Lösung an.
Aufrüsten oder weiterverwenden statt wegwerfen
Oliver Buttler empfiehlt, vorhandene Computer nicht vorschnell zu entsorgen. Oft können ältere Geräte durch einfache Aufrüstung – etwa mit zusätzlichem Arbeitsspeicher – wieder fit gemacht werden.
Zudem gibt es im Internet zahlreiche Anleitungen und Tipps, wie sich ein kostenloses Upgrade auf Windows 11 doch noch durchführen lässt, auch wenn der Rechner nicht alle Voraussetzungen erfüllt.
Wer dennoch ein neues Gerät kauft, sollte das alte nicht wegwerfen.
- Viele gemeinnützige Organisationen sammeln gebrauchte Computer.
- Diese werden überholt und an Bedürftige weitergegeben.
- Refurbished-Anbieter zahlen mitunter noch Geld für funktionierende Geräte.
So kann Elektroschrott vermieden und gleichzeitig nachhaltiges Handeln gefördert werden.
Zukunft der Computerlandschaft
Das Ende des Windows-10-Supports markiert einen Wendepunkt. Für Millionen Nutzerinnen und Nutzer steht nun eine Entscheidung an:
- Sicherheits-Updates kaufen
- Auf Linux umsteigen
- Oder Hardware nachrüsten
Fest steht, dass das Problem nicht vollständig gelöst ist. Viele Verbraucherschützer fordern eine gesetzliche Verpflichtung, Betriebssysteme über einen längeren Zeitraum zu unterstützen. Nur so könne die Lebensdauer von Geräten und Software künftig im Gleichgewicht bleiben.
Quelle: SWR, YouTube