KI-Chats können emotionale Nähe erzeugen
KI-Chats können emotionale Nähe erzeugen, Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Digitale Kommunikation verändert zwischenmenschliche Beziehungen messbar. Eine umfangreiche Studie aus Deutschland liefert dazu konkrete Daten. Im Fokus steht die Frage, wie stark emotionale Nähe in textbasierten Gesprächen mit Künstlicher Intelligenz entsteht und wovon sie abhängt.

Inhaltsverzeichnis

Universität Freiburg und Universität Heidelberg

Die Untersuchung wird gemeinsam von der Universität Freiburg und der Universität Heidelberg durchgeführt. Beteiligt sind 492 erwachsene Personen. Alle Teilnehmenden führen Online-Chats zu persönlichen Themen. Dazu zählen prägende Lebenserfahrungen sowie bestehende oder vergangene Freundschaften.

Die Gespräche finden ausschließlich schriftlich statt. Die Antworten stammen entweder von echten Menschen oder von einem KI-basierten Sprachmodell. Die Forschenden vergleichen systematisch beide Varianten. Entscheidend ist dabei, ob die Teilnehmenden wissen, mit wem oder was sie kommunizieren. Der Kontext ähnelt damit Entwicklungen rund um KI im Alltag, bei denen Transparenz eine zentrale Rolle spielt.

Aufbau der Online-Chats

Die Teilnehmenden werden in mehrere Gruppen eingeteilt. Ein Teil erhält keine Information über die Herkunft der Antworten. Ein anderer Teil wird vorab darüber aufgeklärt, dass ein KI-System beteiligt ist. Alle Gespräche folgen denselben thematischen Vorgaben. So lassen sich Unterschiede eindeutig zuordnen.

Die Forschenden erfassen nach den Chats mehrere Faktoren. Dazu gehören wahrgenommene emotionale Nähe, persönliche Offenheit sowie investierte Mühe beim Schreiben. Diese Daten bilden die Grundlage für die Auswertung. Ähnliche psychologische Effekte sind auch aus anderen digitalen Interaktionen bekannt, mehr hier.

Ergebnisse bei unbekannter KI

Wenn Teilnehmende nicht wissen, dass sie mit einer KI chatten, empfinden sie eine ähnlich starke emotionale Nähe wie bei Gesprächen mit Menschen. In Situationen mit emotionalem Inhalt fällt dieses Nähe-Gefühl laut Studie teilweise sogar höher aus.

Als zentralen Faktor nennen die Forschenden die Antworten des KI-basierten Sprachmodells. Dieses gab häufiger persönliche Informationen preis. Dadurch entstand bei den Teilnehmenden ein stärkeres Gefühl von Gegenseitigkeit. Die Gespräche wirkten offener und intensiver, obwohl kein menschlicher Gesprächspartner beteiligt war.

Wirkung von Transparenz

Sobald vorab offengelegt wird, dass die Antworten von einer KI stammen, verändert sich das Verhalten deutlich. Das empfundene Nähe-Gefühl sinkt. Gleichzeitig schreiben die Teilnehmenden kürzer. Sie investieren weniger Mühe und teilen weniger persönliche Inhalte.

Die Studie zeigt damit einen klaren Zusammenhang zwischen Erwartungshaltung und emotionalem Erleben. Nicht allein der Gesprächsinhalt ist entscheidend, sondern auch das Wissen über die Technologie hinter den Antworten.

Veröffentlichung in Communications Psychology

Die Ergebnisse erscheinen in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Communications Psychology. Die beteiligten Wissenschaftler ordnen die Daten sachlich ein. Sie verweisen auf mögliche Anwendungsfelder. Gleichzeitig benennen sie klar definierte Risiken.

KI-gestützte Gesprächspartner könnten laut Studie niedrigschwellige Unterstützung bieten. Genannt werden insbesondere psychologische Unterstützung, Pflege und Beratung. Relevant ist dies vor allem für Menschen mit wenigen sozialen Kontakten.

Risiken emotionaler Bindung

Gleichzeitig warnen die Forschenden vor unbeabsichtigten Effekten. Menschen könnten emotionale Bindungen zu KI-Systemen aufbauen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Eine solche Nähe könne gezielt ausgenutzt werden. Daraus ergäben sich Risiken für Missbrauch und Manipulation.

Die Studienleiter verweisen deshalb auf regulatorische Verantwortung. KI-Systeme müssen transparent gestaltet werden. Zudem seien klare ethische Leitlinien notwendig. In diesem Zusammenhang gewinnen Debatten über strengere Regeln für KI-Chatbots an Bedeutung. Nur unter diesen Bedingungen lasse sich emotionale Nähe kontrollieren und verantwortungsvoll einsetzen.

Die Untersuchung zeigt damit, dass nicht die Technologie allein entscheidend ist. Maßgeblich sind Offenlegung, Gestaltung und Regulierung. Diese Faktoren bestimmen, ob KI künftig als Ergänzung sozialer Beziehungen genutzt wird oder problematische Abhängigkeiten entstehen.

FAQ

Worum ging es in der Studie der Universität Freiburg und der Universität Heidelberg?

Die Studie untersuchte, wie stark Menschen emotionale Nähe in textbasierten Online-Chats empfinden, wenn die Antworten von einer Künstlichen Intelligenz oder von echten Menschen stammen.

Wie viele Personen nahmen an der Untersuchung teil?

An der Untersuchung beteiligten sich insgesamt 492 erwachsene Personen, die Online-Chats zu persönlichen Themen führten.

Welche Themen wurden in den Online-Chats behandelt?

Die Teilnehmenden sprachen über persönliche Inhalte wie prägende Lebenserfahrungen sowie bestehende oder vergangene Freundschaften.

Wann empfanden die Teilnehmenden besonders starke emotionale Nähe?

Eine besonders starke emotionale Nähe entstand, wenn die Teilnehmenden nicht wussten, dass sie mit einer Künstlichen Intelligenz kommunizierten.

Wie wirkte sich Transparenz über den Einsatz von KI aus?

Wurden die Teilnehmenden vorab darüber informiert, dass die Antworten von einer KI stammten, sank das empfundene Nähe-Gefühl deutlich und die Gesprächsbeteiligung nahm ab.

Wo wurden die Ergebnisse der Studie veröffentlicht?

Die Ergebnisse der Untersuchung erschienen in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Communications Psychology.

Quelle: HEIDELBERG24, GLOBEWINGS