Der Kurs der Landesregierung in Kiel sorgt seit mehreren Jahren für Aufmerksamkeit. Schleswig-Holstein stellt seine gesamte IT-Infrastruktur schrittweise auf unabhängige Open-Source-Software um. Das Vorhaben begann früh, gewann aber erst durch internationale Entwicklungen deutlich an Bedeutung. Inzwischen fragen andere Bundesländer gezielt nach Details, Konzepten und umsetzbaren Modellen. Wer sich grundlegend mit dem Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Systemen befasst, findet mehr hier.
Inhaltsverzeichnis
- Dirk Schrödter und Schleswig-Holstein
- Donald Trump und USA
- Open-Source-Software und Dataport
- Open-Xchange und Justiz Schleswig-Holstein
- Linux und Windows
Dirk Schrödter und Schleswig-Holstein
Die Initiative geht auf politische Beschlüsse zurück. Bereits 2017 kündigte die Jamaika-Koalition den Einsatz von Open-Source-Software an. Der damalige Umwelt- und Digitalisierungsminister Jan Philipp Albrecht trieb das Projekt voran. Seit 2024 verantwortet Digitalisierungsminister Dirk Schrödter (CDU) die konkrete Umsetzungsstrategie. Er berichtet, dass frühere Skepsis einem starken Interesse gewichen sei. Andere Verwaltungen wollten wissen, welche Schritte erfolgt seien und welche Unterlagen existierten.
Donald Trump und USA
Auslöser für den wachsenden Zuspruch sind geopolitische Risiken. Die Politik von US-Präsident Donald Trump verstärkt in Europa die Sorge vor Abhängigkeiten von US-Konzernen. In deutschen Verwaltungen dominiert bislang Software von Microsoft. IT-Experten warnen vor möglichen politischen Eingriffen. Dirk Engling vom Chaos Computer Club erklärt, dass US-Unternehmen auf Druck ihrer Regierung Dienste einstellen könnten. Schleswig-Holstein reagierte darauf als erstes Bundesland mit einem vollständigen Strategiewechsel, ein Thema, das auch im Zusammenhang mit wachsenden Cyberangriffen an Bedeutung gewinnt.
Open-Source-Software und Dataport
Open-Source-Programme entstehen gemeinschaftlich. Sie werden nicht von einem einzelnen Hersteller kontrolliert. Der Quellcode ist offen zugänglich und verursacht keine Lizenzkosten. Behörden, Unternehmen und IT-Fachleute können ihn prüfen und weiterentwickeln. Nachteile bestehen in der technischen Abstimmung einzelner Komponenten. Der landeseigene IT-Dienstleister Dataport musste die Systeme speziell für die Landesverwaltung konfigurieren. Dieser Mehraufwand war Teil der Planung.
- freier Zugang zum Quellcode
- keine Lizenzgebühren
- volle Kontrolle über Daten im eigenen Land
Open-Xchange und Justiz Schleswig-Holstein
Der größte operative Schritt erfolgte im vergangenen Jahr. 44.000 E-Mail-Postfächer wurden vom Microsoft-System auf Open-Xchange umgestellt. Damit liegen Software und Daten vollständig unter Kontrolle des Landes. Dirk Engling bezeichnete den Ansatz als grandios. Gleichzeitig traten Probleme auf. Im September kam es in der Justiz zu temporären Ausfällen. Staatsanwälte und Richter konnten zeitweise keine Haftbefehle oder Akten versenden. Michael Burmeister von der Neuen Richterinnenvereinigung sprach von einer in Teilbereichen rechtsstaatsgefährdenden Situation.
Die Kritik hielt an. Kianusch Stender (SPD) warf Schrödter mangelnde Rücksicht auf Landesbeschäftigte vor. Engling betonte, dass funktionierende Arbeitsplätze entscheidend seien. Nutzer wollten stabile Systeme, unabhängig von der eingesetzten Software.
Linux und Windows
Viele technische Fehler gelten inzwischen als behoben. Der Fokus liegt auf Optimierung. Für 2026 existieren konkrete Fahrpläne, die schrittweise umgesetzt werden sollen. Burmeister hält dennoch den Druck aufrecht und verweist auf fehlende Funktionen für die Justiz.
Schrödter denkt bereits weiter. Auf seinen Dienstlaptops läuft heute das Open-Source-Betriebssystem Linux. Bis Ende des Jahres soll es flächendeckend eingeführt werden. Microsofts Betriebssystem Windows soll dann vollständig ersetzt sein. Die Abkehr von Windows ist Teil einer breiteren Entwicklung, die auch im Kontext von weiteren Umstellungen im Microsoft-Ökosystem diskutiert wird.
FAQ
Warum setzt Schleswig-Holstein auf Open-Source-Software?
Schleswig-Holstein verfolgt das Ziel, die IT-Infrastruktur der Landesverwaltung unabhängig von US-Konzernen zu machen und die Kontrolle über Software und Daten vollständig im eigenen Land zu behalten.
Welche Rolle spielt Dirk Schrödter bei der Umstellung?
Dirk Schrödter ist seit 2024 Digitalisierungsminister des Landes und verantwortet die konkrete Umsetzungsstrategie für den vollständigen Einsatz von Open-Source-Software.
Was ist Open-Xchange und wofür wird es genutzt?
Open-Xchange ist eine Open-Source-Software für E-Mail- und Groupware-Dienste, auf die 44.000 Postfächer der Landesverwaltung Schleswig-Holsteins umgestellt wurden.
Welche Probleme traten bei der Umstellung in der Justiz auf?
Im September kam es zeitweise zu Ausfällen, wodurch Staatsanwälte und Richter keine E-Mails, Haftbefehle oder wichtige Unterlagen versenden oder empfangen konnten.
Welche Bedeutung hat Linux für die Landesverwaltung?
Linux soll bis Ende des Jahres flächendeckend als Betriebssystem auf Dienstrechnern eingeführt werden und Microsoft Windows vollständig ersetzen.
Quelle: NDR, MILEKCORP