Soziale Netzwerke stehen in Europa weiter unter Druck. Es geht um Falschinformationen, Suchtgefahr und Datenschutz. Facebook, Instagram, TikTok und X prägen den digitalen Austausch. Gleichzeitig suchen Nutzerinnen, Nutzer, Medien, Universitäten und Stiftungen nach Alternativen. Mit Mastodon, Bluesky und dem schwedischen Start-up W Social gibt es 3 unterschiedliche Ansätze gegen die Dominanz großer Plattformen.
Inhaltsverzeichnis
- X und Elon Musk
- Mastodon und Bluesky
- Chaos Computer Club und stiftungen.social
- Markus Beckedahl und Silicon Valley
- W Social aus Schweden
- Investoren und Plattformdruck
- FAQ
X und Elon Musk
Seit der Übernahme von X durch Elon Musk im Jahr 2022 hat sich die Plattform deutlich verändert. Die Moderation von Inhalten wurde reduziert. Der eigene Bot der Plattform fiel wiederholt durch rechtsextreme und antisemitische Aussagen auf. Zuletzt verließen SPD, Grüne und Linke X in einer gemeinsamen Aktion. Aya Jaff sagte gegenüber der ARD, Europa schaffe es derzeit nicht, diese Plattformen auf europäischer Ebene wirklich zur Verantwortung zu ziehen. Nach ihrer Einschätzung wurde ein Teil der öffentlichen Infrastruktur abgegeben. Gemeint ist der digitale Ort, an dem Menschen miteinander kommunizieren. Die Europäische Union versucht seit Jahren, große Plattformen stärker zu regulieren. Informationen zum europäischen Regelwerk bietet die Europäische Kommission über den Digital Services Act.
Mastodon und Bluesky
Der Unmut vieler Nutzerinnen und Nutzer über große Dienste wächst. Trotzdem ist der Wechsel schwer. Medienforscher Leonhard Dobusch von der Universität Innsbruck erklärte gegenüber tagesschau.de, dass der Wert einer Plattform stark davon abhängt, ob dort relevante Personen vertreten sind. Mastodon und Bluesky gelten als die größten Alternativen. Beide sind dezentrale Netzwerke. Inhalte liegen dort nicht auf einem zentralen Server, sondern auf vielen einzelnen Servern. Mastodon hat rund 750.000 monatlich aktive Nutzerinnen und Nutzer, Bluesky rund 41 Millionen Konten. X kam im Juli 2025 auf rund 600 Millionen monatliche Nutzer und nach Schätzungen auf 400 bis 600 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer.
Chaos Computer Club und stiftungen.social
Nicht nur die Größe entscheidet über den Nutzen einer Plattform. Dobusch verwies auf einzelne Gemeinschaften. Bei der Mastodon-Community aus dem Umfeld des Chaos Computer Clubs sei die lokale Timeline eines Servers bereits interessant. Die größere Frage betrifft die globale Timeline. Sie umfasst die Summe aller Inhalte. Dafür müssten weitere Communities in dezentrale Netzwerke kommen. Als mögliche Akteure nannte Dobusch Universitäten und Medien. Ein Beispiel ist stiftungen.social. Der Mastodon-Server stiftungen.social wird von 16 Stiftungen betrieben und soll das Netzwerk mit neuen Nutzergruppen füllen.
Wichtige Merkmale der dezentralen Alternativen sind:
- Mastodon ist ein deutsches Unternehmen.
- Bluesky stammt aus den USA.
- Bluesky war ursprünglich eine Ausgründung von Twitter.
- Beide Plattformen haben sich dem Gemeinwohl verpflichtet.
- Beide arbeiten protokollbasiert.
- Der Austausch basiert auf einem offenen Standard.
- Der Standard gehört keiner einzelnen Firma.
Markus Beckedahl und Silicon Valley
Dobusch sieht in offenen Standards einen zentralen Vorteil von Mastodon und Bluesky. Er vergleicht das Prinzip mit E-Mails. Nutzerinnen und Nutzer können unabhängig vom Anbieter kommunizieren, etwa über Gmail oder über den Arbeitgeber. Dadurch könnten Inhalte aus anderen Netzwerken erreichbar werden. Auch ein Wechsel der Plattform wäre denkbar, ohne Followerinnen und Follower zu verlieren. Markus Beckedahl, Experte für Netzpolitik, sieht die Lösung nicht in einem europäischen Netzwerk mit demselben Geschäftsmodell wie die Monopolisten aus dem Silicon Valley. Eine europäische Alternative müsse etwas Neues bieten, um sich zu etablieren.
W Social aus Schweden
W Social ist gerade in die Beta-Phase gestartet. Das Start-up kommt aus Schweden. Es wird von europäischen Investoren finanziert. Anders als Mastodon und Bluesky dürfte es profitorientiert arbeiten. Ein zentrales Merkmal ist die verpflichtende Identitätsverifizierung. Damit will die Plattform unter anderem die Flut von KI-Bots begrenzen. Eine Klarnamenpflicht gibt es nicht. Nutzerinnen und Nutzer können weiterhin unter einem Pseudonym auftreten. Beckedahl bezeichnete den Ansatz als interessant, blieb aber skeptisch. Offen sei, ob eine Verifizierung per Ausweis tatsächlich zu einer freundlicheren Kommunikationskultur führe.
Investoren und Plattformdruck
Unklar ist laut Beckedahl, wie W Social konkret Geld verdienen will. Er hält es für möglich, dass die Plattform zunächst durch gute PR eine größere Nutzerbasis aufbauen will. Erst später könnte die Monetarisierung folgen. Darin sieht er ein strukturelles Problem. Bei Plattformen hätten Investoren früher oder später den Druck erhöht, mehr Geld zu verdienen. Dieser Druck führte nach seiner Darstellung dazu, dass Likes und andere Reaktionen stärker beachtet wurden als bekannte Probleme wie Polarisierung und Anfeindungen.
Die Entwicklung früherer Dienste zeigt, dass auch dominante Netzwerke verschwinden können. AOL und MySpace prägten einst das Netz. Heute erinnern sich deutlich weniger Menschen daran, wann sie sich zuletzt bei einem AOL- oder MySpace-Konto angemeldet haben. Der Markt für soziale Netzwerke bleibt deshalb trotz der Stärke von Facebook, Instagram, TikTok und X offen für neue Modelle.
FAQ
Welche sozialen Netzwerke dominieren den digitalen Austausch?
Facebook, Instagram, TikTok und X prägen den sozialen Austausch im Netz.
Welche Alternativen zu großen Plattformen werden genannt?
Im Text werden Mastodon, Bluesky und W Social als Alternativen genannt.
Was unterscheidet Mastodon und Bluesky von zentralen Netzwerken?
Mastodon und Bluesky sind dezentrale Netzwerke. Inhalte liegen nicht auf einem zentralen Server, sondern auf vielen einzelnen Servern.
Wie viele monatlich aktive Nutzerinnen und Nutzer hat Mastodon?
Mastodon hat rund 750.000 monatlich aktive Nutzerinnen und Nutzer.
Wie viele Konten gibt es bei Bluesky?
Bei Bluesky existieren rund 41 Millionen Konten.
Was ist das zentrale Merkmal von W Social?
Ein zentrales Merkmal von W Social ist die verpflichtende Identitätsverifizierung.
Besteht bei W Social eine Klarnamenpflicht?
Nein. Eine Klarnamenpflicht besteht nicht. Nutzerinnen und Nutzer können unter einem Pseudonym auftreten.
Wer ist Markus Beckedahl?
Markus Beckedahl ist ein Experte für Netzpolitik. Er äußerte sich skeptisch zur Monetarisierung und zum Geschäftsmodell neuer Plattformen.
Quelle: Tagesschau